Fruchtbarkeitsrutschen – für mehr Fertilität

Verbessern sich die Chancen für eine Schwangerschaft, wenn man auf die Felsplatten mit ihren eingeritzten Zeichnungen herunterrutscht? Ja, diesen Gedanken gibt es seit Jahrhunderten und an ganz unterschiedlichen Orten. Hier erfahren Sie mehr über dieses Phänomen.

Ein Zweitgebrauch der Felsplatten

„Allein im Welterbe Tanum existieren Zehntausende von Bildern und Symbolen, die in Felsplatten eingeritzt sind. Dass diese Bilder für die Menschen, die sie hier angebracht haben, eine wichtige Rolle gespielt haben, ist selbstverständlich. Aber wussten Sie, dass diese Felsplatten auch weit in unsere moderne Zeit hinein als magisch galten? – Bei der Entstehung der Felszeichnungen verstanden alle Betrachter ihre Bedeutung, aber nach und nach verblich dieses Verständnis. Den Menschen waren die Felszeichnungen zwar weiterhin bekannt, aber sie vergaßen, was diese Bilder und Symbole anfänglich bedeutet hatten und begann stattdessen, diese auf eine neue Art zu verwenden“, berichtet Ulf Bertilsson, Leiter des Forschungsarchivs Schwedischer Felszeichnungen.

Geheim und heidnisch

Vermutlich entstand die Idee, die Felsplatten mit den Ritzungen herunterzurutschen und dadurch die Chancen für eine Schwangerschaft zu verbessern, auf diese Weise. Das Thema ist auch heute noch aktuell – man muss noch einmal schnell googeln und bekommt dann sehr schnell Tausende von Tipps, mit denen man die eigene Fertilität „verbessern“ kann. Bevor wissenschaftlich fundierte Verfahren zur Verfügung standen, waren die Felsplatten mit ihren Zeichnungen eine der wenigen Alternativen. Das Beispiel einer Felsplatte, die auf diese Weise hier südlich vom Welterbe in Tanum bei Vidingen im westschwedischen Bohuslän genutzt wurde, macht dies deutlich: in Mitten dieser Felsplatte ist die Fläche blank abgeschliffen, was wirklich Fragen aufwirft. Ein Ethnologe erfuhr Anfang des 19. Jahrhunderts von einer volkstümlichen Tradition, dass nämlich Kinder die Platte mit Zeichnungen herunterrutschten – letztendlich wollte man aber wohl nicht offen zugegeben, dass Frauen mit Babywunsch diese Rutschbahn nutzen, denn das war ja ein heidnischer Brauch“, sagt Ulf Bertilsson.

Von Tanum nach Italien

Die Idee, eine Felsplatte und schalenförmigen Vertiefungen beim Wunsch einer Schwangerschaft herunterzurutschen, ist nicht nur aus Schweden bekannt. Am italienischen Gegenstück zur Welterbestätte Tanum – in Val Camonica – hat man sogar einen Begriff dafür. „Man nennt dies Fruchtbarkeitsrutsche, und an einem Tag fanden wir über zehn solcher Rutschen auf den dortigen Felszeichnungen. Aber auch in Italien spricht man nicht laut über dieses Thema, vielleicht gerade wegen der kirchlichen Prägung. Auf die Frage, wie lange diese Sitte wohl praktiziert wurde, kann Ulf Bertilsson sich ein Lachen nicht verkneifen: „Ja, jetzt hör mal genau zu. Als das Museum Vitlycke zu Ostern 2015 seine Tore öffnete, hielt ich eine Vorlesung über das Thema Fruchtbarkeit auf den Felszeichnungen und kam auch auf das Rutschen zu sprechen. Eine Frau im Publikum meldete sich darauf und berichtete davon, dass sie selbst noch vor zehn Jahren in der der Gegend gewohnt hatte und aus dieser Zeit zwei Damen kannte, die selbst über die Felszeichnungen gerutscht waren. Das hört sich unwahrscheinlich an, aber der Volksglaube ist stark!

Sinnliche Inspiration

Funktioniert das heute noch? Ja, auf jeden Fall ist nicht das Gegenteil bewiesen, und auf dem Gelände des Museums Vitlycke und auf dem Territorium der Welterbestätte Tanum liegen über 500 Orte mit Felszeichnungen für alle, die ihr Glück versuchen wollen. Allerdings stehen die Felsplatten mit Bildern unter gesetzlichem Denkmalschutz, und daher empfiehlt sich eine Felsplatte ohne Bilder als bessere Alternative für alle, die das Rutschen einmal ausprobieren wollen. Wer sich jedoch sinnlich von den Felszeichnungen inspirieren lassen will, sollte sich unbedingt Bohusläns bekanntestes Motiv genauer ansehen: das Brautpaar. Dieses Bild zeigt Paar in enger, liebevoller Umarmung.

Lesen Sie mehr

Wollen Sie mehr über Vidingen und andere Felszeichnungen erfahren, finden Sie weitere Informationen unter www.shfa.se

Updated: 2017-02-14 15:48