Maritime Felszeichnungen in Westschweden

Es waren nicht nur die Menschen der Bronzezeit, die gern Figuren in die Felsplatten hier in Bohuslän hineinritzten. Auch Seeleute verewigten sich im 16. und 17. Jahrhundert hier mit ihren Abstammungszeichen, Initialen, Jahreszahlen, Kompassrosen und Wappen, wenn sie an der Küste von Bohuslän in den Naturhäfen ankerten. Heute sind circa 20 Fundstellen mit maritimen Felszeichnungen bekannt, von der Insel Vinga vor Göteborg im Süden bis nach Koster im Norden.

Maritime Felszeichnungen finden sich auf den Wänden der geschützten Naturhäufen entlang der gesamten westschwedischen Küste von Bohuslän. Diese Naturhäfen dienten der Seefahrt vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert als Übernachtungs- und Nothäfen. Mit ihren Ritzungen hinterließen die Seeleute uns eine Art von Visitenkarte.

Abstammungsmarkierungen als Symbole

Die am häufigsten vorkommenden Felszeichnungen sind „Abstammungsmarkierungen“, gefolgt von Initialen, Jahreszahlen, Kompassrosen, Orts-und Personennamen sowie Adelswappen – alles Symbole zur Markierung der Identität, Zugehörigkeit, Besitzes oder Herstellers. Das Einritzen dieser Markierungen fasste im Mittelalter immer stärker Fuß, besonders bei Kaufleuten. Diese Abstammungsmarkierungen waren im 16. Jahrhundert und zu Beginn des 17. Jahrhunderts besonders beliebt, und „Künstler“ gab es in allen Schichten der Gesellschaft: Mägde und Knechte, Adelsleute und Bauern, Fischer, Seeleute, Handwerker, Handelsleute und nicht zuletzt einzelne Frauen haben sich hier verewigt.

Während dieser Zeit war der Handelsverkehr sehr intensiv. Handelsleute der Union Dänemark-Norwegen und aus den Hansestädten an der Ostsee und aus den Niederlanden segelten die Bohusküste hinauf. Auch der Fischfang – besonders die Heringsperiode von 1556-1589 – lockte viele Fischer und Fischhändler an die westschwedische Küste von Bohuslän.

Spuren von Konflikten und Handel

Krieg und Konflikte zwischen Dänemark, Norwegen und Schweden waren bis Anfang des 19. Jahrhunderts eher die Regel als Ausnahme, daher tauchten im Schärengürtel vor der westschwedischen Küste sicher häufig Kriegsschiffe und ganze Flotten auf. Wir sind daher der Auffassung, dass diejenigen, die sich mit Felszeichnungen in den Naturhäfen verewigten vor allem Handels- und Seeleute, Fischer, Adelige und andere Militärs waren.

„Man könnte behaupten, dass sich seit der Bronzezeit, als sich diese Gruppen auf den Felsen verewigten, nicht viel geschehen ist. Viele Bilder aus dieser Zeit haben mit Reisen, Handel und Macht zu tun. Fischfang kommt dagegen auf den Bildern der Bronzezeit eher weniger häufig vor“.

Die ältesten bekannten maritimen Felszeichnungen sind Adelswappen, die auf das Ende des 15. Jahrhunderts datiert werden können. Gefunden wurden diese Felszeichnungen in den Schären vor der Inselgruppe Hamnholmarna. Neben den eingeritzten Adelswappen ist die älteste bekannte Jahreszahl eingeritzt: 1500. Entdeckt wurden diese Zeichen erst im Jahre 2014. Aus dem 16. und 17. Jahrhundert sind viele Jahreszahlen eingeritzt, aber aus dem 18. Jahrhundert nur einzelne. Das hat vermutlich damit zu tun, dass in der Seefahrt immer größere Schiffe und bessere Navigationsinstrumente eingesetzt wurden, so dass man weiter von der Küste entfernt und auch nachts weitersegeln konnte. Die Naturhäufen waren daher nicht im gleichen Maße wie früher notwendig.

Orte mit maritimen Felszeichnungen

Entlang der Küste gibt es circa 20 Orte mit maritimen Felszeichnungen: von der Insel Vinga vor Göteborg im Süden bis hin zur Koster-Inselgruppe im Norden. Viele Fundstellen decken sich mit Naturhäufen, die auf alten Seekarten eingetragen oder in historischen Texten beschrieben sind. Beispiele solcher Häfen sind Mollösund und Käringön vor der großen westschwedischen Insel Orust, Buskären vor Smögen, Hamnholmarna vor Fjällbacka sowie Koster vor Strömstad. Maritime Felszeichnungen gibt es u.a. auch in Sörlandet sowie außerhalb von Trondheim in Norwegen, im Schärengürtel von Roslagsskärgården im schwedischen Uppland sowie im südlichen Schärengarten vor Finnland.

Auch hier lassen sich Parallelen zu den Ritzungen der Bronzezeit herstellen. Heute finden sich diese Felszeichnungen mehrere Kilometer von der Küste entfernt, damals lagen die Fundstellen jedoch in Mitten eines Schärengartens. Dies hab damit zu tun, dass der Meeresspiegel während der Bronzezeit bis zu 17 m höher war als heute, und die skandinavische Landhebung die Felszeichnungen somit langsam immer weiter ins Landesinnere versetzte.

 

Die Inselgruppe Hamnholmarna ist die größte Fundstelle maritimer Felszeichnungen in Bohuslän und mit ihren mehreren Hundert Zeichnungen eine der größten Fundstellen in Skandinavien

 

Kontakt

Wollen Sie mehr über maritime Felszeichnungen wissen? Nehmen Sie gern dazu Kontakt auf mit Lars Strid.

Updated: 2017-02-14 15:41