Wanderung durch ein Welterbe

Der Welterbe-Wanderweg ist sechs Kilometer lang und führt Sie zu drei verschiedenen Orten mit eindrucksvollen Felsritzungen: Lövåsen mit seinem Schamanen, Gerumhällen mit dem Kettenkarrussell und Sotetorp mit seinen Booten und Turnern, die ein Salto rückwärts machen.

An den Felszeichnungen – sowohl nicht mit Farbe ausgemalten als auch ausgemalten – informieren Sie Schilder über die Orte und die Interpretation der Motive. Der Wanderweg führt Sie auch an anderen kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten vorbei, z.B. Viehwegen, einer Windmühlenruine und verfallenen Wohngebäuden. Entlang des Weges finden Sie mehrere Rastplätze mit Aussichtspunkten, die einen hervorragenden Überblick über die Gegend von Tanum und die Welterbestätte vermitteln. Vom Parkplatz aus weisen Ihnen Pfähle mit roter Spitze den Weg. Bitte beachten Sie, dass dieser Weg teilweise auch Steigungen aufweist.

Signalfeuerstätte Lövåsen

Dies ist die erste Felsplatte, zu der man gelangt, wenn man der Schleife folgt. Ganz links auf den Felsplatten sind zwei tief eingeritzte Boote zu sehen, besonders in der Nachmittagssonne sehr gut zu erkennen. Direkt neben der Plattform der Treppe erblickt man zwei weitere sehr interessante Boote – in beiden Fällen sieht man deutlich die an Bord sitzende Besatzung mit ihren hoch erhobenen Rudern. Am Heck des linken Bootes steht ein Mann, der erheblich größer ist als die übrigen Seefahrer.

Kaninchenohren oder Hörner?

Vielleicht ist die eine Frage, welchen Wert man der Perspektive zumisst, und möglicherweise zeigt dieses Bild den Kapitän des Bootes. Vom Kopf des Mannes steht etwas hoch, das Kaninchenohren gleicht. Vermutlich ist hier aber ein Helm mit Hörnern abgebildet. Im Bronzezeitalter waren nämlich Helme mit Hörnern modern, nicht aber in der Wikingerzeit.

Der Schamane mit der großen Nase

Circa zehn Meter rechts von der Treppe erkennt man einen weiteren Mann mit Hörnerhelm, den sog. „Zauberer“ oder „Schamanen“. Wie der Kapitän hat der Schamane eine anscheinend große Nase. Die verlängerten Gesichter wurden dahingehend gedeutet, dass die abgebildete Person eine Maske trägt, möglicherweise eine Vogelmaske mit Schnabel. Der Schamane ist auch deshalb interessant, weil er einige der häufigsten Attribute aufweist, die typisch sind für die männlichen Figuren der Felszeichnungen.

Erigierter Penis

Dass es sich hier um einen Mann handelt, es wohl kaum strittig, da der Schamane einen deutlich erigierten Penis aufweist. Am Rücken des Schamanen ragt die Scheide eines Schwertes hervor. Das Ende dieser Schwertscheide entspricht von der Form den Beschlägen aus Bronze, wie wir sie von vielen Funden dieser Epoche kennen. Die extrem kräftigen Waden der Figur sind ebenfalls typisch für die Abbildungen aus der Bronzezeit – möglicherweise ein zeitgenössisches
Schönheitsideal?

Die Felsplatte Gerumhällen

Gerumhällen, auch als Felsplatte Runohällen ein Begriff, enthält trotz ihres Namens keine Runenzeichen, sondern Felsritzungen der Bronzezeit. Den Namen erhielt diese Felsplatte, weil man früher glaubte, darauf prähistorische Schriftzeichen zu erkennen. Mitten auf dieser Felsplatte Runohällen ist die bekannteste Ritzung zu erkennen: das Kettenkarrussell oder der Maibaum. Das Bild erinnert an die schwedischen Maibäume mit den herumtanzenden Menschen, wie man sie heute noch in der mittelschwedischen Region von Dalarna kennt. Oben auf dieser Stange ist eine Plattform eingeritzt, mit einem Mann darauf. Von dieser Plattform sind „Seile“ heruntergelassen, an denen unten Menschen hängen.

Interessante Lage

Es ist jedoch nicht nur diese einzigartige Felszeichnung, die diese Felsplatte so interessant macht, sondern auch die Lage dieser Platte in der westschwedischen Landschaft. Runohällen ist eine sehr tief liegende Ritzung, und der Meeresspiegel war während der Bronzezeit erheblich höher als heute: zu Beginn des Bronzezeitalters – 1800 v. Chr. – stand die gesamte Felsplatte unter Wasser, und die heutige Agrarlandschaft war damals Teil des inneren Schärengartens der Westküste. Ungefähr 1500 v. Chr. zog sich das Wasser dann etwas zurück, und die Wasserlinie lag ungefähr einen halben Meter unterhalb der Plattform des Maibaums. Zu diesem Zeitpunkt wurden die ersten Bilder in die Felsplatte eingeritzt.

Die früheste Zeichnung auf dieser Wand zeigt Boote mit einer Kiellinie, die am Bug des Bootes in den Vordersteven mündet und am Heck im Achtersteven endet. Dieses Boot wurde also in eine Platte eingeritzt, gegen die die Wellen der Bronzezeit spritzten, und somit kann man sich leicht eine deutliche Verbindung der Bootszeichnungen und dem so nahen Meer vorstellen.

Sotetorp

Sotetorp ist die dritte und letzte Felszeichnung auf der Schleife unseres Wanderwegs durch die Welterbestätte. Die vielleicht bekannteste Zeichnung dieser Felsplatte ist die Abbildung eines Akrobaten, eines Saltospringers, der über das Boot ein Salto rückwärts turnt. Am Bug und am Heck dieses Bootes stehen Männer, die an den Schamanen der Signalfeuerstätte Lövåsen erinnern. Mehrere Forscher ziehen Parallelen zwischen diesen skandinavischen Saltospringern und Abbildungen der Stierspringer der gleichzeitig blühenden minoischen Kultur auf Kreta.

Man hat auch Saltospringer aus Bronze gefunden, die vermutlich an Bootsmodellen aus Holz befestigt waren. Links von diesem Boot mit dem Saltospringer befindet sich ein Radkreuz. Diese Kreuze werden als Symbol der Sonne interpretiert. Diese Abbildung könnte aber auch ein Wagenrad mit Speichen zeigen, eine Erfindung des Bronzezeitalters.

Klicken Sie hier, und lesen Sie mehr über den Welterbe-Wanderweg auf einer eigenen Homepage.

Updated: 2017-02-14 10:59